Sing ★★½

Wie sieht das eigentlich mit der Industriespionage in der Animationsbranche aus? So wie 1998/1999, als sich DreamWorks und PIXAR mit "Antz" und "Das große Krabbeln" ein Duell um den besten Ameisenfilm lieferten? 2016 wiederholte sich dies zwischen Illumination Animation und Disney und wieder schaffte es der bessere Film, in diesem Fall "Zoomania", als Erster in die Kinos.

"Sing" will augenscheinlich nicht mehr sein als ein bunter, irrelevanter Zeitvertreib. Dies wäre nur bedingt oder gar nicht als Vorwurf geeignet, wenn Disney mit einem cleveren Script und sinniger Gestaltung nicht bewiesen hätte, dass aus dem Konzept "Anthropomorphe Tiere" sehr, sehr viel mehr herauszuholen wäre als Illumination im Stande ist zu liefern.

Es beginnt bei der Stadt, die sich niemals anfühlt wie an die Eigenarten der Tiere angepasst. Es ist eine menschliche Umgebung, die nur zufällig von Wesen mit Fell und Schuppen bevölkert wird. Die Spezies-Stereotype weisen nie über die erste Ebene hinaus (der mächtige Elefant ist schüchtern, das Stachelschwein eigentlich verletzlich, das Schwein ordnungsliebend, etc.) und eigentlich benutzt man nur deshalb Tierfiguren, weil die Geschichte einer Theaterrettung durch einen Koala mit bedauernswertem Kunstverständnis ansonsten noch generischer dahergekommen wäre.

"Sing" ist simpel. Der bunte Reigen ist gefällig anzusehen, ab und an gibt es etwas zum schmunzeln und sogar so etwas wie kurzweilige Spannung (die Überflutung des Theaters ist eine tatsächlich sehr passable Actionszene), aber letztlich ist alles, was passiert und gezeigt wird so austauschbar, dass man sich fragt, warum sich so viele US-Animationsblockbuster auf möglichst kleinste gemeinsame Nenner reduzieren lassen.

Es ist ähnlich wie die Musik in "Sing": ab und an wird man mit richtiger Musik angefüttert, der Löwenanteil aber verharrt in schwammigen Airplay-Charts. Und dann macht es auch keinen Unterschied, ob Mensch oder Tier die Songs zum Besten gibt - in der Belanglosigkeit sind alle Spezies gleich.

Der oft gezogene Vergleich zu einem Bonbon aus dem Discounter passt hier tatsächlich. "Sing" ist schnell konsumiert, schmeckt für einen kurzen Moment und ist auch schon vergessen, bevor die Reste den Magen erreicht haben, wo eine Verwertung mangels Nährstoffen im Grunde vergebene Liebesmüh ist.