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Paranoyer has written 413 reviews for films during 2016.

  • The Jungle Book

    The Jungle Book

    ★★½

    Vielleicht sollte ich damit beginnen, dass ich kein Fan des Disney-Zeichentrickfilms „Das Dschungelbuch“ bin. Die Episodenstruktur ist für jüngere Zuschauer sicherlich geeignet, für Erwachsener verströmt der Film von 1967 dann doch meist eher gepflegte Langeweile.

    So muss man der Neuauflage, die zu 99% im Computer entstand, immerhin eins zugutehalten: sie führt auch Verächtern wie mir vor Augen, was der Zeichentrickfilm alles richtigmachte. Plötzlich vermisst man die Beatles-Geier, die distinguierte Art von Shere Khan, die generelle Abstraktion des Mediums, zu dem…

  • The Nightmare

    The Nightmare

    ★★

    „Der Babadook“ war eine Parabel auf Überforderung und Sucht. „The Witch“ verhandelte die menschliche Psyche im Angesicht extremer Begebenheiten – auch wenn diese womöglich nur in den Köpfen der Beteiligten existierten. Zwei Horrorfilme, die vielfältige Interpretationen zuließen und das Genre nicht nur als Aufhänger für ermüdende Jump-Scares verwendeten, zurecht gefeiert in diesem und dem letzten Jahr. Die deutsche Produktion „Der Nachtmahr“ versucht sich nun auf ähnlichem Terrain und findet kaum etwas, dass über die erste Dimension hinausgeht. What you see…

  • Wild

    Wild

    ★★

    Im deutschen Film scheint allgemein wenig die Sonne.

    Als wollten alle dem Verdacht zuvorkommen, sich Til Schweigers Sommerlook von „Keinohrhasen“ aneignen zu wollen (eine verständliche Panik, denn wer will schon in Schweigers Dunstkreis geraten), hüllt sich auch „Wild“, die dritte Spielfilmregiearbeit von Nicolette Krebitz in dermaßen gedeckte Farben, dass man den Eindruck gewinnen könnte, Deutschland läge unter einer immerwährenden Dunstglocke der Melancholie. Natürlich ist dieses Farbschema nur dazu da, um im Finale aufzubrechen, wenn die Protagonistin mit der Zivilisation bricht…

  • Walking with Dinosaurs

    Walking with Dinosaurs

    Erinnert sich noch jemand an den Mini-Hype, den die BBC-Reihe „Dinosaurier – Im Reich der Giganten“ Ende der 1990er auslöste? Die Dokumentarserie verband Computeranimationen mit hübschen Animatronics und hatte sich auf die Fahnen geschrieben, die Welt der Dinosaurier und anderer ausgestorbener Tiere gemäß des (damaligen) neusten Stand der Wissenschaft darzustellen. Es folgten Specials, erdgeschichtliche Pre- und Sequels. Das Ganze war manchmal etwas langatmig erzählt (was wohl auch dem deutschen Sprecher geschuldet war), aber dennoch innovativ und informativ. Die Detailliebe ging…

  • Burnout

    Burnout

    ★★★

    Mit „guilty pleasures“ ist es so eine Sache – die Filme zu mögen ist per se etwas peinlich, zumindest, wenn es nach allgemein anerkannten Bewertungskriterien geht – welche auch immer das sein mögen. Zumal es auch einen persönlichen Einblick gewährt, sind „guilty pleasures“ doch oft Überbleibsel aus Kindheit und Jugend, deren Unzulänglichkeiten dem erwachsenen Auge zwar auffallen, die Filme aber kaum von den positiven Gefühlen zu trennen sind. Ich beispielsweise weiß, dass "Independence Day" beileibe kein guter Film ist, aber…

  • Deadpool

    Deadpool

    ½

    Wo soll man nur beginnen? Vielleicht bei den positiven Aspekten? Nun gut: nach knapp 75 Minuten leistet sich "Deadpool" die einzig wirklich gute Dialogzeile: „Ich würde dich ja begleiten aber … ich will nicht.“ Lakonisch vorgetragen, gleichzeitig irrelevant wie bestens zur Narrative passend – es ist ein winziger Moment inmitten eines Taifuns aus cineastischen Zumutungen.

    Denn der massiv erfolgreiche Film, enfant terrible des MARVEL Cinematic Universe (zumindest möchte er so gesehen werden, auch wenn er lizenzrechtlich wohl zunächst nicht auf…

  • Building Star Trek

    Building Star Trek

    ★★½

    Durcheinander ist wohl das Wort der Wahl, um diese Dokumentation des Smithsonian Channel zu beschreiben. Eigentlich die Geschichte, wie eine Ausstellung im Museum mit den Originalrequisiten der Fernsehserie von 1966 zustande kommt (und welche Probleme bei der Konservierung auftreten), wirft „Building Star Trek“ auch Überlegungen zur technischen Umsetzbarkeit von Trek-Technik wie dem Traktorstrahl ein und garniert das Ganze dann auch noch mit Ausflügen in die soziale, kulturelle und politische Bedeutung einer Serie, die während der Bürgerrechtsbewegung in den Vereinigten Staaten…

  • Hedi Schneider Is Stuck

    Hedi Schneider Is Stuck

    ★★★½

    Was nach „typisch deutschen Problemkino“ klingt, entpuppt sich dank diverser stimmiger Details und dem engagierten Schauspiel der Hauptdarsteller als durchaus sehenswerte Auseinandersetzung mit einem weitestgehend tabuisierten Thema: psychische Erkrankungen.

    Hedi Schneider leidet unter massiven Angststörungen. Woher sie kommen? Der Film klärt dies niemals auf, offeriert einen Möglichkeitencocktail aus Arbeitsstress, emotionaler Belastung und persönlicher Disposition, zeigt die Angst also als etwas, dass man sich einfangen kann wie eine hartnäckige Erkältung, bei der im Nachhinein auch nur über die konkrete Herkunft spekuliert…

  • Me, a Groupie

    Me, a Groupie

    ½

    Wirr, langatmig und reaktionär auf beeindruckend vielen Ebenen. Die nachsynchronisierte Ingrid Steeger rennt oft nackt durch die Welt und warnt durch ihre Aktionen das brave Kleinbürgertum vor den Gefahren eines sündigen Lebenswandels. Denn wenn man von einer Horde Nazi-Hells-Angels vergewaltigt wird, ist Frau natürlich selber schuld. Dazu gibt es repetitive Musikeinlagen und epische Aufnahmen von vollkommener Inhaltsleere. Ein wahrlich unangenehmer Film, der die allermeisten Qualitäten, die die Kunst so zu bieten hat, vernachlässigt – allen voran eine sinnige Montage.

    Im…

  • In Fear

    In Fear

    ★★

    In der Provinz lauert das Grauen, dass wissen wir nach dem Konsum von einer Handvoll beliebiger Horrorfilme wohl alle. „In Fear“, eine britische Variation des Themas, ist es in einem labyrinthartigen Waldgebiet zu finden, in dessen Zentrum wie eine dicke Spinne ein Verrückter lebt, der einmal zu oft Peter Weirs „Die Autos, die Paris auffraßen“ gesehen hat. Diesmal in seinen Fängen: ein junges angehendes Pärchen, dass eigentlich auf dem Weg zu einem Musikfestival ist.

    Die effektiv aufgebaute Atmosphäre und die…

  • Soul Surfer

    Soul Surfer

    Was man augenscheinlich aus diesem Film mitnehmen soll: wenn dir ein Hai den Arm abbeißt, ist das nur eine Prüfung Gottes, aus der deine kleine weiße, perfekte hawaiiansiche Familie gestärkt hervorgehen kann. Nichts gegen die persönliche Bedeutung von Religiosität wenn es darum geht, Lebenskrisen zu bewältigen, aber der penetrante „Soul Surfer“ ist so davon überzeugt, dass dies der alleinige Weg ist, dass man sich schon fragt, warum es ein Film aus dem US-„Bible Belt“ es bis nach Europa geschafft hat.…

  • Bad Ass

    Bad Ass

    ★★★

    Ein Film, der um seine B-Movie-Wurzeln sehr wohl weiß und es versteht, die Gestaltung der besten Vertreter seines Fachs in die Neuzeit zu übertragen. „Low-key“ ist hier das Schlüsselwort: die Geschichte ist „low-key“, der soziale Kommentar ist „low-key“ (wobei der anfängliche Schnitt am Würstchenstand schon ziemlich gut ist), die Action und die Effekte ohnehin.

    Und dennoch ist „Bad Ass“ ein Film, der sein Metier gut beherrscht, der über das Spektakel hinaus etwas sagen möchte und so weitaus besser daherkommt, als…